Interview mit Alper Yegin, CEO der LoRa Alliance
Veröffentlicht: 17. Juni 2026LoRaWAN® hat sich als Schlüsseltechnologie für die digitale Transformation der Energie- und Wasserwirtschaft etabliert. Hinter diesem Kommunikationsstandard steht die LoRa Alliance®, eine globale, gemeinnützige Organisation, in der Unternehmen gemeinsam an einem offenen, interoperablen Ökosystem für das Internet der Dinge arbeiten. ZENNER ist seit den Anfangsjahren Mitglied der Allianz und betreibt das weltweit größte LoRaWAN®-Netz mit Verfügbarkeit in 15 Ländern und mit mehr als zehn Millionen integrierten Sensoren. Wie LoRaWAN® den Wassersektor verändert, warum starke Partner wie ZENNER dabei eine wichtige Rolle spielen und wie sich der Funkstandard weiterentwickelt – darüber haben wir mit Alper Yegin, CEO der LoRa Alliance®, gesprochen.
Herr Yegin, warum gewinnt LoRaWAN® im Wassersektor so stark an Bedeutung – und wie lässt sich diese kritische Infrastruktur zuverlässig absichern?
Alper Yegin: Im Wassersektor sind die Anforderungen an die Funktechnologie hoch: Signale müssen weit reichen, auch aus Schächten und Kellern zuverlässig nach draußen gelangen, und Sensoren sollen einige Jahre ohne Batteriewechsel auskommen. Genau hier spielt LoRaWAN® seine Stärken aus. Es erfüllt nicht nur die klassischen Anforderungen an ein LPWAN – also an eine Funktechnologie, die geringe Datenmengen über weite Strecken bei minimalem Energieverbrauch überträgt. LoRaWAN® bietet weitaus mehr: Es funkt auf lizenzfreien Frequenzbändern, wodurch sich Netze flexibel aufbauen und betreiben lassen. Die Infrastruktur bleibt überschaubar, die Sensoren sind dank ihrer langen Batterielaufzeiten wirtschaftlich attraktiv. LoRaWAN® basiert außerdem auf einem offenen Standard, den die LoRa Alliance® entwickelt hat und der von der International Telecommunication Union (ITU) offiziell anerkannt ist. Ergänzt wird dies durch mehrere Open-Source-Implementierungen, die den Einstieg erleichtern.
Wichtig ist auch das Ökosystem dahinter: Das sind mehr als 650 zertifizierte Geräte und fast 1.000 Produkte im LoRa Alliance® Marketplace – von Zählern und Sensoren bis hin zu Gateways und Plattformen. Die aktuellen Zahlen sprechen für sich: Es sind bereits rund 125 Millionen LoRaWAN®-Geräte installiert. Wir verzeichnen jährliche Wachstumsraten von etwa 25 Prozent – ein klares Signal, wie stark der Markt LoRaWAN® annimmt. Das liegt meiner Meinung nach auch an der Flexibilität beim Netzbetrieb. Nahezu jedes Einsatzszenario lässt sich abbilden, ob öffentliches oder privates Netz, kommunale Community-Netze, satellitengestützte Anwendungen oder internationale Roaming-Abkommen. Für die Wasserwirtschaft ist das ein entscheidender Vorteil, denn jedes Versorgungsgebiet hat seine Besonderheiten. Mit LoRaWAN® lässt sich das Netzmodell genau auf die bestehende Infrastruktur, die Fläche und den Digitalisierungsgrad zuschneiden.
ZENNER bringt mit Millionen vernetzter Wasserzähler und Sensoren umfangreiche Praxiserfahrung in die LoRa Alliance® ein. Inwiefern spielt das für die Weiterentwicklung von LoRaWAN® eine Rolle?
Alper Yegin: ZENNER ist für uns ein ganz besonderer Partner: Das Unternehmen betreibt nicht nur das weltweit größte LoRaWAN®-Netz mit mehr als zehn Millionen Geräten, sondern bringt auch einen großen Erfahrungsschatz aus den Bereichen Metering, Submetering und Smart City-Projekten mit. Diese Kombination aus Praxiserfahrung und tiefem Branchenwissen ist für die Weiterentwicklung von LoRaWAN® äußerst wertvoll. Dementsprechend spielt ZENNER innerhalb der LoRa Alliance® eine maßgebliche Rolle. Das Unternehmen ist in mehreren Schlüsselpositionen vertreten – im Vorstand mit Schatzmeisterfunktion und mit den Vorsitzen im Certification Committee, in der Arbeitsgruppe Smart Cities and Buildings sowie im Device and Solution Makers Forum. So prägt ZENNER sowohl die strategische Ausrichtung als auch die konkrete Umsetzung in vielen Bereichen.

Wie treibt die LoRa Alliance® das Wachstum des LoRaWAN®-Ökosystems weiter voran?
Alper Yegin: Aktuell treiben wir die Weiterentwicklung von LoRaWAN® in drei Richtungen voran: Zum einen möchten wir die Integration in verschiedene IoT-Anwendungsbereiche weiter vereinfachen. Unser Ziel ist, dass sich LoRaWAN® nahtlos in bestehende Systeme und Prozesse einfügen kann – etwa in der Industrie, in der Gebäudeautomation oder im Energiesektor. Deshalb arbeiten wir daran, Kommunikationsstandards aus diesen Branchen zu unterstützen. Dazu gehört zum Beispiel UI‑1203, ein Datenkommunikationsprotokoll für Wasserzähler, ebenso wie OPC UA, der zentrale Kommunikationsstandard für Industrie 4.0 und industrielle IoT‑Anwendungen.
Außerdem bauen wir den Plug-and-play-Charakter der Technologie weiter aus. Geräte sollen sich möglichst automatisch ins Netz einbinden, Anwendungen schnell nutzbar sein und auch im Kernnetz soll der Aufwand für die Inbetriebnahme deutlich sinken. Wer LoRaWAN® einsetzt, soll also weniger konfigurieren und mehr nutzen. Der dritte Schwerpunkt liegt auf Werkzeugen, die den Ausbau der Netze beschleunigen. Dazu gehören Lösungen für Walk-by- und Driveby-Reading, die besonders im Zählerumfeld interessant sind, aber auch Verbesserungen bei der Nutzung von Satelliten. So können wir LoRaWAN® auch dort verfügbar machen, wo klassische terrestrische Netze an ihre Grenzen stoßen.
Über Alper Yegin
Alper Yegin ist CEO der LoRa Alliance®. Er treibt die strategische Weiterentwicklung und weltweite Verbreitung von LoRaWAN® voran. Zuvor bekleidete er Führungspositionen in der IoT- und Wireless-Industrie, unter anderem als CTO von Actility, und gilt als eine der prägenden Stimmen für die Zukunft von LoRaWAN®.